Kurzreview: The Imitation Game

Guten Abend, liebe KinogängerInnen,

bereits am letzten Donnerstag lief ein weiterer heißer Oscar Favorit in den deutschen Kinos an: die Geschichte des englischen Mathematikers Alan Turing, der versucht den deutschen Enigma Code zu knacken, in „The Imitation Game“.

Als bekennender Benedict Cumberbatch Fan habe ich mich ein wenig zurück gehalten und versucht, so objektiv wie möglich – und mit so wenig Spoilern wie möglich, ein kurzes Review zu verfassen.

Und wie immer: weiter geht’s after the jump 😉

 

Ein Mann, eine kleine Gruppe von Menschen – und auf ihren Schultern liegt ein Teil der Last des zweiten Weltkriegs. Darum geht es, kurz umrissen, in „The Imitation Game“. In dem Film versucht der Mathematiker Alan Turing nicht nur einen deutschen, angeblich unknackbaren Code namens „Enigma“ zu entschlüsseln, sondern auch sein Privatleben zu schützen. Denn in einer Zeit, in der Homosexualität in England noch immer illegal und strafbar ist, fürchtet Turing nicht nur eine Strafe wegen Hochverrats, sollte er jemals ein Wort über seinen streng geheimen Job verlieren, sondern auch die Konsequenz seiner Sexualität…

~

Der Film beginnt langsam und ziemlich zäh. Man bemerkt recht früh, dass dieser Charakter, der Alan Turing ist, sehr eigen und sehr anders ist. Anders als andere Leinwand-Charaktere. Das macht es schwer ihm zunächst zu folgen, ihn einzuschätzen. Eine Aufgabe, die der Film mit einem sehr langsamen Einstieg nicht besser macht.

Dann jedoch entfaltet sich langsam der übersichtliche Plot und, gefüttert von Seitensträngen, entwickelt sich der Film zu einem (immer noch) langsamen, aber trotzdem guten Biopic. Würde man „The Imitation Game“ mit anderen Filmen in dieser Richtung, wie bspw. jüngst „The Theory of Everything“, vergleichen, so wären die Entwicklungen im Biopic über Stephen Hawking ein Wasserfall, während „The Imitation Game“ eher einem Bergflüsschen gleicht, der sich langsam und leise in viele, kleinere, weit verzweigte Bäche verteilt.

Da es über den Plot nicht viel zu sagen gibt, ohne direkt in Spoiler zu verfallen, hier ein paar Dinge, die mir positiv und negativ aufgefallen sind:

Der Soundtrack:

Alexandre Desplat ist ein nicht unbekannter Komponist und man erkennt seine Handschrift sofort – er ist ruhig, emotional und trifft einen meist unerwartet. Nicht umsonst ist einer meiner Lieblingsscores der der letzten Harry Potter Filme. Diesmal jedoch war ich ein bisschen enttäuscht. Abgesehen vom Main Theme ist leider nicht viel übrig geblieben. Der Soundtrack blieb hinter dem Film zurück, hat sich erfolgreich in das langsame Tempo des Filmes (noch) langsamer eingeordnet. Hören lässt sich das Main Theme aber alle mal und es hat auch einen unverbennbaren Sound für den Film hinterlassen! 🙂

Benedict Cumberbatch:

War meiner Meinung nach wirklich, wirklich gut. Zu Anfang habe ich mich noch dazu hinreißen lassen ihn mehr als Sherlock als Alan Turing zu sehen, doch je mehr der Film fortschritt, umso mehr zeigte sich ein ganz eigener Touch. Nervös, unsicher und doch so sicher in seinem eigenen Fach, intelligent, einsam und doch so leidenschaftlich gegenüber seiner Aufgabe, seiner Passion und seinem verbotenen Geheimnis gegenüber.

Keine Frage, Benedict hat mich bewegt – auch ganz unabhängig von meiner ohnehin schon hohen Meinung von ihm. Wo Eddie Redmayne mich mit geradezu an Selbstaufgabe grenzendes, unmöglich erscheinendes Schauspielern mitgerissen hat, da hat Benedict Cumberbatch mich subjektiv und langsam in seinen Charakter eingeführt und mitgenommen.

Leider blieb meiner Meinung nach der restliche Cast ein bisschen auf der Strecke. Keira Knightley wirkte teilweise fast ein bisschen ratlos und überfordert, Mark Strong ein bisschen zu sehr in seiner „Dame, König, Ass, Spion“ Welt stecken geblieben, nur diesmal in leicht veränderter Rolle. Charles Dance war wundervoll und Matthew Goode brachte die bitter benötigte Auflockerung mit sich.

Alles in allem konnte jedoch auch ein Benedict Cumberbatch eine sehr maue Entwicklung nicht vollends überbrücken.

Die Enigma Maschine & Christopher:

Ein weiteres Mal muss ich „The Imitation Game“ mit „The Theory of Everything“ vergleichen: im Kampf der Biopics hat auch hier Stephen Hawking die Nase weiter vorn. Denn: trotz ähnlich komplexer Materie für den Laien und durchschnitts-Kinogänger wurde in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ doch ein bisschen mehr Information vermittelt. Natürlich keine komplexen Zusammenhänge, um die es zweifellos in beiden Filmen geht, doch wenigstens einen Eindruck von der Basis-Vorstellung.

Was mir bei „The Imitation Game“ vollkommen fehlte war eine genauere Erklärung zu Enigma und Turings Konter Maschine, später Christopher genannt. Natürlich ist es nicht möglich komplexe Programme und Maschinen in einem Biopic, dass mainly auf einen Menschen fokussiert ist, zu erläutern, doch vielleicht hätte das noch ein bisschen Spannung in den Film gebracht.

~

Ab einem gewissen Punkt im Film ist auch nicht mehr ganz klar, was einzelne Szenen bewirken sollen. Der Film an sich ist teilweise sehr subtil in seinem Versuch den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.

Ein gutes Biopic ist es allemal und meiner Meinung nach ist es auch ein wundervoller Ansatz. Allerdings ist es – wie ich schockiert erkennen musste – in einer Zeit der Blockbuster und Fließband-Filme eine absolute Challenge einem Film wie diesem mit der verdienten Aufmerksamkeit und Muse entgegen zu treten. Ich wage fast zu behaupten, dass der Film in seiner vollen Spannweite für das Mainstream-Kino zu subtil und durch perspektivisch wertvolle, einfühlsame Arbeit zu eigen ist, um vollkommen zu fruchten.

Last but not least ist mir aufgefallen, dass eine Bewertung von einem Biopic, dass in direkter Konkurrenz zu einem zweiten steht, möglichst nicht nach seinem Ausgang bewertet werden sollte. Beide Geschichten, die von Stephen Hawking und die von Alan Turing, sind traurig und schön. Doch während „The Theory of Everything“ eine besondere, fast schon fröhliche Atmosphäre beibehält, so lässt „The Imitation Game“ den Zuschauer emotional kompromittiert, nachdenklich und ja, auch ein bisschen angeekelt über das, was Menschen auf rechtlicher Basis angetan wurde und wird, zurück.

Daher bin ich mir noch nicht ganz sicher, dass nicht auch ich den Film in seiner ganzen Schönheit zu diesem Zeitpunkt unterschätze.

Rating: 4,50€/6€

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Habt ihr „The Imitation Game“ gesehen? Wie hat euch das Biopic um Alan Turing und seine Rolle im Zweiten Weltkrieg gefallen?

Lasst es mich wissen,

bis Morgen zum Monatsmuntermacher,

Eure Tabi♥

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5 Gedanken zu “Kurzreview: The Imitation Game

  1. Ein Film kann in der Höchstwertung hier nur 6 € errichen? Ist ja niederschmetternd. 🙂
    Ich finde auch, dass der Film mehr hätte erklären sollen, WAS Turings Maschine leistet und wie er ein solches Monstrum an Tecnik hat erdenken können. Zudem wird Turing als Mensch nicht greifbar. Seine Homosexualität kommt irgendwie unvermittelt rüber. Vor allem, wenn Cairncross und Joan sagen, sie hätten sich das schon gedacht. Ach? Wieso? Was haben sie gesehen, dass wir nicht gesehen haben? Der Film hat sich in dieser Beziehung mal absolut gar nichts getraut. Sehr schade.

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    • Hallo Schauwerte, 🙂

      Ich messe meine gesehenen Kinofilme immer an dem Preis des Kinotickets. In diesem Fall waren das für „The Imitation Game“ ’nur‘ 6€, von denen sich 4,50€ für mich gelohnt haben. 🙂
      Deine Kritik am Film empfinde ich genauso. Es war fast so, als wäre der Film Alan Turing gegenüber auf menschlicher Ebene so entrückt, wie Alan es wohl scheinbar auch den ‚Menschen‘ gegenüber selbst war. Daran koppelt sich wohl auch mein größter Kritikpunkt…

      Liebe Grüße,
      Tabi 🙂

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  2. Nur 4.5 von 6? Das ist aber eine vergleichsweise schlechte Kritik. Ich finde nicht, dass man schwer reinkommt. Gerade die drei Zeitebenen (Turings Schulzeit, Turings Entschlüsselung der Enigma, Turing wird verhaftet) sorgen für Spannung und machen das ansonsten recht trockene Thema (Mathematik, Codeknacken…) dann doch ganz interessant. Ich schwanke zwischen 5.5/6 und 6/6. Ich bin im Moment am Schreiben meiner eigenen Kritik und bin noch nicht sicher, inwieweit ich kritisieren soll, dass der Film sich (besonders in Sachen Joan Clarke) nicht komplett an die Fakten hält. Aber gut, wenn ich sie fertiggeschrieben habe, dann weiß ich’s bestimmt. 🙂 Schau demnächst doch mal bei mir vorbei.

    Liebe Grüße von Franzi von filmkompass.wordpress.com

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    • Liebe Franzi,

      ich habe mich mit meiner Wertung ein bisschen zurück gehalten, das stimmt. Wie im Review erwähnt bin ich mir nämlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz sicher, ob ich den Film in seiner ganzen künstlerischen Spannweite verstanden beziehungsweise ‚erkundet‘ habe. Ich denke, dass wird sich wohl auch erst zeigen, wenn ich ihn nochmal gesehen habe.
      Faktentechnisch bin ich überhaupt nicht über das Thema informiert, aber deine Kritik hat mich neugierig gemacht. Ich werde wohl also gleich einen kleinen Research zum Thema anlegen 😉
      Ich bin gespannt, wie sich dein Review letztendlich zusammen setzen wird und schnuppere gern mal vorbei!

      Liebe Grüße,
      Tabi

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