[Montagsfrage:] Wie schafft es eine Hauptfigur, sich bei dir unbeliebt zu machen?

eine Aktion von Buch-Fresserchen

Wer von uns kennt das nicht? Man beginnt ein neues Buch und ist eigentlich ganz angetan, doch irgendwie ist man mit dem Hauptcharakter nicht ganz auf einer Wellenlänge. Dafür kann es viele Gründe geben und ein paar meiner unbeliebtesten Eigenschaften von Hauptcharakteren findet ihr im Folgenden 🙂

Eindimensionalität

Mehr als einmal hatte ich schon Hauptcharaktere – sowohl weiblich als auch männlich – die ein bisschen der typischen Nebencharakter-Krankheit verfallen sind: der Eindimensionalität. Am besten daran zu erkennen, dass, wenn man nach dem Lesen des Buches ein Review schreibt und versucht den Protagonisten zu beschreiben, einfach nichts dabei herum kommt, weil der Protagonist/die Protagonistin das gesamte Buch über so schwammig gehalten waren. Eindeutige Zeichen für dieses Syndrom sind vor allem verringerte Entscheidungsfreudigkeit, kaum interessante Diskussions- oder Konversationsverläufe und auch generell eher gering spannende Interaktionen, sowie die vollkommende Vorhersehbarkeit. Gott sei Dank hatte ich noch nie ein Worst Case Scenario, in dem all diese Dinge auf den Hauptcharakter zutrafen, doch Spitzenreiter füllten definitiv mehrere dieser Eigenschaften mit Bravour aus. Oftmals beende ich solche Bücher dann auch nicht, da ein eindimensionaler Charakter auch leider oft einen Großteil der Spannung in einem Buch tötet.

Cry me a River – and then some!

Auch das ist wahrscheinlich ein bekanntes Phänomen unter Hauptcharakteren – ja, meistens sind sie vom Schicksal hart getroffen und das auch gern mal mehr als einmal (mein liebstes Beispiel: Jace aus City of Bones), aber ein Buch, dass nur aus einem weinenden Hauptcharakter besteht möchte wohl niemand lesen. Hier geht es dabei definitiv um Verhältnismäßigkeit. Natürlich gibt es Dramen, die darauf ausgelegt sind, dass viel geweint wird. Und es gibt auch Bücher die sogar zum Weinen bringen sollen, aber alles eben in einer gesunden Dosis, die den Leser gern mitnehmen, ihn aber nicht ertränken darf. Denn – wie im echten Leben – wird es immer irgendwann Zeit aufzustehen und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen! Und wenn’s nur für ein paar Seiten ist…

Hidden Damsel in Distress

Vor allem weibliche Badass Charaktere sind in den letzten Jahren in YA und anderen Genren sehr beliebt geworden. Das freut natürlich auch Leute wie mich, die sich in der Buchwelt immer über mehr Vielfältigkeit freuen und den neuen Fokus auf beide Geschlechter in starken Hauptrollen begrüßen. Allerdings ist es dabei ähnlich wie mit der Debatte um „Was macht einen starken Hauptcharakter eigentlich aus?“. Denn es ist eben nicht immer nur die Fähigkeiten sich einen Weg durch drei Armeen bestehend aus Männern mit bloßen Fäusten zu schlagen, sondern es geht auch um Eigenständigkeit, Verantwortungsbewusstsein, das Einnehmen einer Führungsrolle, innere Stärke, Unabhängigkeit und so weiter. Auch hier gilt schließlich wie im echten Leben: jeder Mensch definiert Stärke anders.

Eine Gattung, die jedoch nicht dazu gehört und trotzdem mit dem Trend einherging, waren (vor allem) Heroines, die nur vorgeben ein starker Charakter zu sein, hinten rum aber doch eigentlich immer nur darauf ausgelegt waren, den (meist) männlichen Gegenpart als Retter gekonnt zu inszenieren. Auch hier gilt eine Unterscheidung zwischen dem gegenseitigen Retten aus brenzligen Situationen – schließlich muss jeder Mal gerettet werden: ob Mann, ob Frau, ob Haupt- oder Nebencharakter – und dem permanenten „Ich kann das alles alleine!“ gefolgt von einer äußerst impulsiven und nicht durchdachten Entscheidung, die dazu führt, dass ein anderer Part den Retter in strahlender Rüstung spielen muss. Getoppt wird das eigentlich nur noch durch das Einsetzen einer bestimmten Zickigkeit nach der Rettung alá „Ich hatte alles im Griff und brauche deine Hilfe nicht!“.

Das „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“-Syndrom

Fast jedes Buch hat es, fast jeder Leser kennt es: Hauptperson A streitet sich mit/erfährt etwas über/hat etwas gehört über Hauptperson B (oder in einer Vielzahl ähnlicher Konstruktionen) und entscheidet sich danach das Problem nicht anzusprechen sondern a) entweder darauf zu hoffen, dass von anderer Seite ein Zeichen des Friedens gesendet wird b) sich das Problem in Luft auflösen wird oder c) schon irgendwann jemand bemerken wird, dass man schmollt. Durch interne Monologe wird meistens recht gut gerechtfertigt, warum betroffene Hauptperson schweigt und meist kann man sich damit sogar identifizieren, denn – hands down – wer von uns hat nach einem Missverständnis oder Streit nicht auch schon mal geschmollt?

Doch in manchen Büchern, in denen solche finalen Missverständnisse literally das einzige sind, was die Protagonisten noch von ihrem Happy End abhält, werden solch lange und ausgiebig schmollende Hauptcharaktere gerne mal zur Geduldsprobe und trügen einen vielleicht bis dahin guten Eindruck eines Buches massiv. Meistens nämlich paaren sich diese Schmollphasen noch mit dem typischen „Viel Lärm um nichts!“-Phänomen und nach einem kurzen Gespräch ist alles geklärt.

Der Leser kann sich vielleicht mit der Person identifizieren aber ab und zu würde ich mir wünschen, dass ein Hauptcharakter auch in dieser Situation Mut beweist und einen Schritt wagt, den auch wir wagen könnten: das Problem angehen und versuchen, sich dem anderen zu nähern. Gerade dann, wenn es eines aufkommende, ernsthafte Beziehung ist. Würde das uns – den Leser – nicht inspirieren es selbst auch einmal zu probieren?

Und auch wenn es das ein oder andere Buch um 10-20 Seiten (oder mehr) verkürzen würde, wäre es für den Lesefluss doch auch ungemein hilfreich.

 

Dass sind sie also – die Hauptgründe, durch die sich Hauptpersonen bei mir ganz schnell unbeliebt machen können. Manche von ihnen gehen Hand in Hand, andere treten eher selten auf – aber es gibt sie. 🙂

Wie sehen eure Top-Gründe für unbeliebte Hauptcharaktere aus?

Lasst es mich wissen! 🙂

Einen schönen Montag,

eure Tabi♥

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