[Let’s Talk:] „After Passion“ von Anna Todd

Liebe Leserinnen, liebe Leser,20150828_103122

heute möchte ich mich einer Buchreihe zuwenden, die national wie international ähnliche Erfolge wie 50 Shades of Grey gefeiert und ein bisschen als indirekte Nachfolge angesehen werden kann: Anna Todds „After“ Reihe.

Ich habe mich fast unvoreingenommen dem ersten und zweiten Teil gewidmet und habe nun ein Fazit gezogen, dass ich euch im Folgenden darbieten möchte.

Ich freue mich auf euch und eure Meinungen! 🙂

Vor ein paar Tagen bekam ich die „After“ Buchreihe von Anna Todd als Geschenk – jedenfalls „erst“ einmal die ersten drei Teile – die ja bereits alle über 700 Seiten haben und Teil 3 sogar über 900! – und habe mich der Sache möglichst objektiv genähert. Hier also, wie  immer, erst mal ein paar Facts:

Source: Goodreads

Titel: After Passion

Author: Anna Todd

Series: After #1

Erschienen: 09. Februar 2015

Verlag: Heyne

Seiten: 704

Sprache: Deutsch

Version: Taschenbuch

Status: Im Bücherschrank

After Passion auf Goodreads

 

Zum Buch

In Anna Todds über 700 Seiten starken Werk, in dem es um das „Mauerblümchen“ Tessa und den „Bösen Buben“ Hardin Scott geht, fällt einem vor allem eins ziemlich früh auf: das fehlende World-Building. Man merkt dem Stil und dadurch auch der Autorin recht deutlich an,  dass sie schnell zum Thema kommen möchte – nämlich Hardin. Danach bessert sich die Sache ein wenig, auch wenn man sich an manchen Ecken wirklich ein paar mehr Details gewünscht hätte.

Der Schreibstil bekleckert sich leider auch nicht unbedingt mit viel mehr Ruhm: Todd benutzt ein scheinbar begrenztes Kontingent an Wörtern – Wortwiederholungen sind da natürlich automatisch vorprogrammiert. Auch Charaktereigenschaften oder -aktionen werden oft mit den gleichen Phrasen und Wörtern beschrieben. Das gibt einem Charakter auf der einen Seite eine sehr eigene, wohl definierte Form, die – auf der anderen Seite – aber auch oft eindimensional bleibt.

Eindimensional bleibt leider auch der Teufelskreis, in dem sich das Buch bewegt. Es läuft immer ähnlich bis ziemlich gleich ab: Streit, Tränen, „Aussprache“, Versöhnung – hit repeat. Im zweiten Teil wird dieser Kreis nur durch Tessas Erkenntnis erweitert, dass sie eigentlich weiß, wie abhängig sie von Hardin ist und trotzdem nichts dagegen tun will, bzw. kann. Da stellt sich einem natürlich die Frage, ob das noch „Love Conquers All“ ist oder schon eine gefährliche Abhängigkeit? Darauf komme ich aber gleich nochmal zu sprechen.

Neben dem Teufelskreis, aus dem die Beziehung zwischen Harry Sty- äh, pardon, ich meine Hardin Scott und Tessa zu bestehen scheint, fehlt auch leider fast komplett der Ansatz der Konfliktlösung. Davon finden sich im zweiten Buch langsame, zaghafte Anfänge – die nicht oft durch Hardins patentverdächtige Methode „Unnötig an die Decke gehen in unter 60 Sekunden für Anfänger“ wieder zu Nichte gemacht werden. Aber gerade solch eine Konfliktlösung wäre für mich ein interessanter Ansatz für das Buch gewesen, sind die Charaktere doch in gerade diesen Zügen am interessantesten.

Trotz einer durchwachsenen Leistung endet das Buch mit einem eher unvorhergesehenen Plottwist. Natürlich hätte ein Hardin Kenner darauf kommen können, dass es in seiner Vergangenheit noch einen ganzen Sack voll Problemen und Geheimnissen gibt, aber ich war so damit beschäftigt auf den Ausbruch aus dem Teufelskreis zu warten, dass ich dann doch von der Härte und der Schwere des Vergehens überrascht war. Allerdings hält dieser Plottwist nicht nur das Rating für das Buch nach oben, sondern macht natürlich auch gespannt auf Teil 2. Zudem schafft es Todd durchaus die Leser bei der Stange zu halten; ob das nun durch ihre durchscheinende Leidenschaft für die Reihe oder aus Interesse an der Geschichte von Tessa und Hardin geschieht.

Als im zweiten Teil jedoch noch mehr ans Licht kommt und der immerwährende Kreis, wie bereits erwähnt, fast genau gleich wieder in Aktion tritt, habe ich mich dazu entschieden, diese Buchreihe nicht zu beenden. Und ich habe mich gefragt, aus welchen Gründen ich das Buch aus der Hand gelegt habe und welche Punkte mir am diskussionswürdigsten erscheinen, neben der Tatsache, dass immer und immer wieder das gleiche Schema irgendwann einfach langweilig wird. Im Folgenden möchte ich deshalb auch einige davon zur Diskussion stellen.

 

Der Twilight Effekt?

Spätestens seit der Twilight Reihe ist bekannt, wie viel Einfluss bestimmte Bücher auch heute noch auf junge und alte Leser haben kann. Ich kann mich dazuzählen, denn auch ich war eine Zeit lang sehr stark von Twilight und den unterschwellig suggerierten Normen, die in dem Buch vertreten wurden, beeinflusst.

Auch bei 50 Shades of Grey kamen diese Sorgen zum Ausdruck, da die Serie – so jedenfalls hat es den Anschein – eine co-abhängige, unterdrückende Beziehung romantisiert und durch die große Verbreitung einen ähnlichen Effekt haben könnte.

In Gesprächen mit meinen Freunden und Kollegen habe ich ebenfalls diese Meinung geäußert, gerade auch aktuell im Bezug auf Tessas scheinbar nicht mehr vorhandenen Selbstrespekt, als sie Hardin zu ihrem 100%igen Lebensmittelpunkt macht. Ist das noch „You and Me Against the Rest of the World“ oder doch schon ein absolut ungesundes Verhalten, wie es Tessa selbst ja sogar manchmal nennt – und dann trotzdem einfach weiter ins Verderben rennt? Wo hört das eine auf und wo beginnt das andere?

Meiner Meinung nach sollte natürlich jeder selbst wissen, dass Dinge, die in einem Buch stehen fiktional sind und nicht 1:1 auf die reale Welt übertragen werden können. Doch immer öfter frage ich mich auch, ob man sich überhaupt bewusst dazu entscheiden kann, etwas aus einem Buch nicht zu übernehmen. Woher wissen wir, dass nicht vielleicht auch unbewusst gewisse Normen in uns übergehen? Ich denke, bei „erfahrenen“ Lesern ist die Chance geringer, gerade wenn ein gesunder Realitätsbezug als Hintergrundwissen gegeben ist. Bei jungen, stark beeinflussbaren Lesern jedoch sehe ich ein Problem in der Richtung, in der sich dieses Genre wandelt. Auf der einen Seite steht die Spannung, vielleicht auch ein bisschen das Tabu und das Sehnen nach einem leicht weg zu lesenden Roman auf der anderen Seite steht eben dieses unreflektierte Verhalten der Hauptfigur. Gerade dadurch und eben jener fehlenden Konfliktlösung bin ich der Meinung, dass „After Passion“ einen ungünstigen Ansatz wählt. Natürlich kann das ganze auch als eine Warnung ausgelegt werden – so hieß es bspw. in einer der Diskussionen, die ich geführt habe, dass „jeder Leser genug gesunden Menschenverstand hat, um die deutliche Warnung und die Konsequenzen eines solchen Verhaltens herauslesen zu können“. Was ist es für euch – schlechtes Vorbild oder verständliche Warnung?

Der „neue“ Erotikroman und was er für das Genre leistet

Auch hier möchte ich noch einmal bei 50 Shades of Grey ansetzen: Wogen hat die Buchreihe vor allem durch seinen offenen Umgang mit dem Thema Sex und S&M geschlagen. Etwas, dass auf FanFiction und anderen Plattformen eigentlich gar kein Tabu mehr ist. Ganz im Gegenteil.

Doch auch auf dem Buchmarkt ist expliziter Sex in Büchern keine Neuheit mehr. Natürlich hat 50 Shades of Grey eine Tür für eine mehr massentaugliche Variante geöffnet – that’s what it was all about – aber neben dem klassischen Erotikroman gab und gibt es auch expliziten Sex in anderen Genren: Paranormal Romance, Romance, Contemporary, Historical Fiction, Urban Fantasy – fast überall kann und kommt expliziter Sex vor. Vielleicht steht er nicht ganz so im Fokus wie bei 50 Shades of Grey und jetzt auch bei Anna Todd, aber er ist meistens auch etwas atmosphärischer geschrieben und angenehm in eine Story eingearbeitet. Fantastische Beispiele für solch eine Atmosphäre ist bspw. die allseits bekannte „Outlander“ Reihe von Diana Gabaldon, die auch mit härteren Themen wie bspw. Vergewaltigung vorsichtig und reflektiert umgeht. Im Paranormal Romance Genre gibt es viele gute Autoren, zu viele um sie jetzt aufzuzählen. Eines meiner beliebtesten Beispiele ist auch hier Nalini Singh, die sowohl im Paranormal Romance als auch im Contemporary Romance Genre atmosphärische Erotik erschafft. Ein entscheidender Unterschied zwischen diesen Werken und anderen wie „After Passion“ ist aber natürlich auch, dass meist nicht nur die Beziehung zweier Protagonisten im Vordergrund steht, sondern es nebenher noch einen Plot gibt. Der fällt in den Anfängen dieser Bücher eher mager aus.

Der Trend, der bei 50SoG und Konsorten durchkommt ist ähnlich dem, der auch bei Thrillern und Krimis durchkommt: es ist immer noch mal eine Spur härter, es muss immer noch eine Schippe draufgelegt werden. In gewisser Weise werden auch in beiden Genre die menschlichen Abgründe immer mehr ins Visier genommen und so weit ausgereizt, dass es an manchen Ecken schon eher unglaubwürig erscheint. Geht da nicht vielleicht irgendwann andere, wichtige Elemente verloren oder ist es eine Möglichkeit für die Menschen endlich über Tabus zu sprechen und eben auch Abgründe zu erkunden?

Ob dieses Abdriften miteinander zusammen hängt? Wer weiß. Die Frage ist, wie weit beide Genre noch gehen wollen oder können, bis der öffentliche Fokus auch hier wieder abrückt. Dass es so weit kommen wird, ist gewiss, denn so läuft das mit den Trends schließlich.

Meine Frage also an euch: seht ihr diesen Trend genauso, ob im Erotik Genre oder bei Thrillern? Glaubt ihr, dass es auch in der Literatur eine Grenze gibt, die eingehalten werden sollte oder gibt es freies Geleit? Welche Erfahrungen habt ihr mit den Diskussionen rund um co-abhängige Beziehungen in diesen Romanen gemacht?

Lasst es mich wissen, ich möchte gerne eure Meinungen dazu hören!

Bis bald,

Eure Tabi♥

 

 

 

Advertisements

4 Gedanken zu “[Let’s Talk:] „After Passion“ von Anna Todd

  1. Hey,
    Ich habe mir den ersten Teil von 50 Shades of Grey gekauft vor ein paar Jahren und musste nach Seite 60 oder so aufhören. Wie Ana (ich hoffe mal sie heißt so^^) bei ihrem ersten Mal mehr als einmal kommt und auch dass Christian sie beim ersten Date mit dem Helikopter abholt.. Außerdem verstehe ich nicht warum immer alle Mauerblümchen sein sollen und Jungfrau, aber eigentlich extrem heiß. Im wahren Leben gibt es das glaub ich nicht und wenn dann sehr selten. Wenn ich also ein Buch beginne und die Protagonisten schon wieder so ein „Mauerblümchen“ ist, dann könnte ich auszucken. Wieso??!

    Der Schreibstil bei 50 Shades of Grey war auch einfach so schlecht und es hat sich alles ständig wiederholt. Ich verstehe nicht warum die Bücher so gehypt werden?!

    After Passion habe ich noch nicht gelesen, ich überlege mir aber ständig ob ich mir den ersten Band nicht holen soll. Ich weiß es nicht, glaubst du es würde mir gefallen oder lieber nicht?

    Gefällt mir

    • Hallo liebe Sarah,
      Ich würde darauf tippen, dass es nicht unbedingt etwas für dich wäre, auch wenn Teil 1 noch nicht so 50SoG lastig ist. Und es ist auf jeden Fall ein Mauerblümchen, also wäre das wahrscheinlich das größte Argument um Nein zum Buch zu sagen. 🙂
      Liebe Grüße

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s