[Let’s Talk:] The Art of Re-Reading?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,Screenshot_2016-05-01-19-33-59

an diesem wunderbar sonnigen Sonntag scrollte ich einmal mehr durch meine Instagram Timeline – gerade besonders interessant durch die Mai Aktion #MeetTheBloggerDE von Anne Haeusler – und entdeckte in mehr als einem April Wrap Up Berichte über die sogenannten Re-Reads – also Bücher, die mehr als einmal gelesen werden.

Solche Re-Reads kommen einem immer öfter unter; wir haben sie schließlich alle – diese feel good Bücher, zu denen man gerne zurückkehrt. Bücher, die man aufschlägt, wenn man glücklich, traurig, wütend oder einfach nur ein bisschen einsam ist.

Aber was heißt es eigentlich ein Buch noch einmal zu lesen? Meint man da von vorne bis hinten? Oder einfach mal zwischendurch? Welche Bücher lesen wir eigentlich gern ein zweites Mal?

All meine Gedanken dazu – nach dem Sprung! 😉

Vielerlei Online-Wörterbücher geben die Übersetzung von „Re-Red“ [korrekte Schreibweise: reread] mit „nochmals lesen“, „immer und immer wieder lesen“ oder „Relektüre“ an. Das Wort ist zusammengeschoben aus einem Verb („reading“ – „lesen“) und dem lateinisch stämmigen Präfix „re“ (= „wieder, nochmals, zurück“).

So much for the science!

Was aber genau bedeutet ein Reread in der Praxis?

An dieser Stelle kann ich nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten und die besagt, dass ich Bücher selten noch einmal von vorne bis hinten lese. Meist ist mir der Plot noch zu geläufig um mich noch einmal voll und ganz auf allen Seiten auf ein Buch einzulassen. Dass soll nicht unbedingt ausschließen, dass es in der Zukunft mal anders kommen wird, aber dazu später mehr.

Für mich bedeutet „Relektüre“ eher ein sporadisches Anlesen. Stellen, die ich besonders gern mochte oder zu denen ich in bestimmten Stimmungen zurück komme. Wenn ich eine Reihe lese, die gern mal ein bisschen länger braucht, um ein neues Buch zu produzieren *hust* The Bone Season *hust*, dann kehre ich vor und während dem Lesen des nächsten Bandes auch gern nochmal zu wichtigen Stellen aus dem Prequel zurück.

Bücher, bei denen es mir so ergangen ist, sind auf folgendem Bild aufgelistet:

Screenshot_2016-05-01-19-33-59

Ein spezieller Fall – der hier nicht abgebildet ist – war Twilight. Den ersten Band habe ich mehrmals aufgeschlagen und einfach, von aufgeschlagener Stelle an, weiter gelesen. Und weiter, und weiter, und weiter… doch selbst hier habe ich das Buch nie in einem Rutsch noch einmal komplett gelesen.

Noch einmal anders gestaltet sich für mich die Praxis bei Mangas: mein Lieblingsmanga, Bleach, war vermehrt das Ziel von Rereads. Hier aber durchaus um noch einmal die perfekt eingefangenen Stimmungen in den einzelnen Bildern zu bewundern oder ein, zwei Bilder zu fotografieren. Aber auch hier las ich nie den ganzen Manga noch einmal – selbst bei „Attack on Titan: No Regrets“ nicht, obwohl ich den Anime und den OVA schon mehrere Male von vorn nach hinten geschaut habe.

Das brachte mich im Gedankenprozess zur Vorbereitung meines Beitrags zu der Frage: was muss eigentlich passieren, damit ich ein Buch noch einmal von hinten nach vorne lesen würde?

Die Kriterien gestalten sich recht einfach – und in ihrer Umsetzung umso schwerer!

Zunächst müsste ich nicht mehr allzu bewandert im Plot sein. Gleichzeitig sollte ich aber auch noch vage in Erinnerung haben, dass der Plot mich absolut vom Hocker gehauen hat! Dafür würden sich auf jeden Fall „Die Lügen des Locke Lamora“ von Scott Lynch und „Die Artefakte der Macht“ von Maggie Furey anbieten. Da beide im Fantasy Genre angesiedelt sind, sind sie auch gleichzeitig ein gutes Beispiel für ein weiteres Kriterium: Detailreichtum.

Gerade bei vorsichtig und sorgfältig aufgebauten Welten lohnt es sich noch einmal einen zweiten Blick in das Buch zu werfen und das Auge auf Details zu richten. Bücher wie „A Darker Shade of Magic“ oder „A Gathering of Shadows“ bieten sich hier an, da V.E. Schwab ein sehr ausgeprägtes Worldbuilding und ein noch detailreicheres Character-Building betreibt. Gerade wenn das lang ersehnte Buch in der Aufregung der Ereignisse quasi inhaliert wird, bleibt nur selten Zeit die errichtete Welt oder die Schönheit der Sprache zu honorieren.

Speaking of: Schönheit der Sprache. (Heute waren die qualitativ hochwertigen Überleitungen im Sonderangebot 😉 )

Samantha Shannons „The Bone Season“ Reihe besticht durch einen wahnsinnig tollen Schreibstil! In meinem Review zu „The Mime Order“, dem zweiten Band der Reihe, schrieb ich dazu:

But a fast paced and well structured [the] plot is, [it is] not yet the real strength of this book: it is Samantha Shannon’s style and the poetic language she gives their most iconic characters. Not only Jaxon and Warden – one with an almost Barden-like poetic everyday language, the other creating a complete contrast of that poetry by finding his way through a second language with utter care – but the whole book brims with a stylistic expertise that made me weep.

Und genau aus diesem Grund ist „The Mime Order“ auf dem Bild der von mir noch einmal angelesenen Bücher aufgeführt. Samantha Shannon ist eine Königin in Sachen Schreibstil und man fühlt sich nicht nur wunderbar unterhalten, sondern spürt, wie viel Macht Sprache tatsächlich haben kann: sie ist das Werkzeug von Unterschieden, Gemeinsamkeiten, Worldbuilding, Details, Sarkasmus, Liebe, Lyrics und so weiter und so weiter.

Was mich zu meinem letzten Kriterium bringt: Subjektivität.

Genauso wie Sprache für jeden etwas anderes bedeuten und eine andere Bedeutung haben kann, so spielt auch die eigene Entwicklung eine tragende Rolle bei der Wahrnehmung von Sprache. Wir lernen jeden Tag etwas Neues – ob bewusst oder unbewusst – und dies hat Einfluss auf unsere subjektive und objektive Wahrnehmung von … naja, allem. Und deshalb auch auf unsere geliebten Bücher. [Der theoretische Ansatz dazu ist der Hermeneutische Zirkel]

Eben diese Veränderung, die in mir, die in jedem stattfindet, lässt mich einserseits enthusiastisch auf den Moment warten, in dem ich ein geliebtes Buch zum zweiten Mal aufnehme – mich zum anderen aber auch verunsichert. Denn vielleicht finde ich ein Buch nach einiger Zeit gar nicht mehr so toll, wie ich ursprünglich mal dachte? Vielleicht lese ich ja deshalb hauptsächlich nur stichprobenartig?

Egal wie und weshalb – rereading bedeutet für mich letztendlich (hauptsächlich) ein kurzweiliges zurückkehren zu einem Buch. Ähnlich wie Chandler Bing empfinde ich in der Beziehung wohl eine literarische Art der Bindungsangst.

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Trotz allem genieße ich die kurzen Ausflügen immer wieder gerne. Sei es aus Melancholie, Freude, der Informationen oder des Schreibstil wegens – zu Lieblingsbüchern kommt man immer irgendwann zurück. 🙂

~

Wie sieht das bei euch aus? Seid ihr der 100%-Rereader oder auch eher der kurzweilige Szenenselector wie ich? Wie bringt ihr Rereading neben dem alltäglichen Lesen von neuen Büchern unter? Zu welchen Büchern könntet ihr immer wieder zurückkehren?

Lasst es mich wissen!

Eure Tabi ♥

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5 Gedanken zu “[Let’s Talk:] The Art of Re-Reading?

  1. Schöner Post zu einem interessanten Thema! Bei mir ist es so, dass ich ganze Bücher sehr oft re-reade letztens erst die ASIOAF-Reihe, weil das letzte Mal schon ein ganzes Stück her war und ich kaim etwas wusste. Die Reihen nochmal lesen, das mache ich auch fast immer vor dem Release der Fortsetzung (immer ganz schön viel Planung das dann bis zum Releasedatum auch hinzukriegen ;)). Aber meine Lieblingsstellen lese auch, immer wenn mein current read mich grad nicht so anfixt 😀

    Ich denke ich werde zu dem Thema auch mal einen Post schreiben, also Danke für die Inspiration! !

    LG Rike

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    • Vielen lieben Dank, ich bin gespannt, was du zu dem Thema schreibst! 🙂
      ASOIAF bietet sich da ja wirklich an. Da findet sich einiges, was man beim ersten oder zweiten Mal lesen nicht bemerkt hat ^^ Ich finde es bewundernswert, dass du ganze Reihen rereaden kannst, bevor ein neuer Band rauskommt!
      Liebe Grüße,
      Tabi

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  2. Servus!
    Ha, endlich mal jemand, der unter ReRead nicht auch gleich das ganze Buch neu durchlesen versteht! Auch ich frische meine Erinnerungen auf, wenn der Nachfolgeband lange auf sich warten ließ. Aber komplett neu lesen? Nope, das würde ich zeitlich schon nicht schaffen.

    Witzig auf, dass du das Hindurchhasten durch ein Buch erwähnst, im Speziellen ADSOM und AGOS.. Denn genau mit AGOS ging es mir so. Mein Fehler. Hab draus gelernt und hatte es dann nochmal als Hörbuch mir einverleibt… Und dabei ständig herzlich über den wunderbaren Wortwitz des Buches gelacht…

    Viele liebe Grüße,
    Kati

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    • Genau das ist bei mir ebenfalls der springende Punkt! „So many books, so little time“ ist ja schon bei all den Neuerscheinungen das Motto – aber dann auch noch Rereads?! Da müsste ich entweder noch eine Fortbildung zum Thema „Zeit Management“ machen oder direkt Leseurlaub nehmen 😛
      Tjaja, dieses AGOS Hörbuch lässt mich nicht mehr los. seit ich auf deinem Blog davon gelesen habe! Eigentlich bin ich überhaupt kein Hörbuch-Fan, aber vielleicht wäre AGOS genau das Richtige…
      *kritzelt es auf die Wishlist*

      Gefällt 1 Person

      • Hihi, also wenn Du einen Zeitmanagement Seminar besuchst, sag Bescheid, ich komme mit! Und zu AGOS…Ehrlich, probiere es. Ich bin auch nur bedingt Hörbuch Fan, wenn ich mich zwischen Lesen und Laufen entscheiden muss, dann wähle ich das Hörbuch um quasi einen guten Mittelweg zu erziehlen 😉

        Liebe Grüße,
        Kati

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