[Let’s Talk]: „Worüber wir 2017 bloggen sollten“ oder „Ein Vier Gänge Menü“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

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Ausschnitt aus dem aktuellen TBR

ist es zu spät für einen Neujahrspost? Nein? Yay, dann los!

Auf diesem Blog ist es in den letzten Monaten einmal mehr sehr ruhig geworden, doch aus dem Zielbereich meines Abschlusses melde ich mich endlich für einen Beitrag zurück. Diesmal zu einem Thema, was uns alle beschäftigt: das neue Jahr. Denn auch wenn der 1. Januar nur ein weiteres Datum auf dem Kalender ist und Silvester in vielerlei Hinsichten so overhypted ist wie das ein oder andere Buch, sollten wir dennoch die Idee des Frischen und Neuen mitnehmen. Und sei es nur um in uns zu gehen und herauszufinden, ob wir immer noch auf dem Weg wandeln, den wir uns vorstellen.

Besonders zum Thema „Bloggen“ habe ich – gerade auf unser aller Lieblingskurznachrichtendienst Twitter – viele interessante Tweets zum Thema „2017“ gesehen, die mich unter anderem dazu inspiriert haben mich zu fragen: worüber sollten wir 2017 bloggen? Bedarf es einer Änderung? Und wenn ja, welcher? Denn, liebe Leser, Leserinnen, Kollegen und Kolleginnen – Reflektion ist immer eine gute Idee, sei es Neujahr oder der zweite Sonntag im Februar.

Über Diversität, Backlist und Blicke hinter die Kulissen gibt’s, wie immer, nach dem Sprung mehr.

[DISCLAIMER: Dieser Beitrag beabsichtigt keine normativen Vorschriften zu etablieren oder Arten des Bloggens als unzureichend zu diffamieren. Alle in diesem Beitrag als wichtig erachteten Themen unterliegen der subjektiven Wahrnehmung eines Individuums.]

Worüber sollten wir 2017 bloggen?

Whatever the f*ck we want!, ist die kurze und knappe Antwort auf diese Frage. Denn es stimmt: wir sind (meist) Blogger, weil wir uns die Freiheit herausnehmen wollen/können, über das zu bloggen, was uns gefällt. Und manchmal sogar über Sachen, die uns nicht gefallen. Trotzdem gibt es ein paar zentrale Themen, mit denen wir uns ab und zu beschäftigen sollten, und kommen sie uns noch so befremdlich vor. Denn: individuelle Blickwinkel regen die Diskussion an. Und selbst wenn sie nur das tun, sind sie eine Bereicherung und verhindern den Blogger-Einheitsbrei. Womit wir auch schon beim Thema wären.

Diversität

Mal ehrlich, wie viele von euch haben bei diesem Stichwort mit den Augen gerollt oder ein bisschen genervt aufgeseufzt? Ja, die Diversität Diskussion artet an manchen Stellen ein wenig aus und es gibt wohl auf allen Seiten – wie so oft – Hardliner und solche, die es werden möchten. Und dabei wird oft vergessen, dass Diversität in sich selbst vielfältiger ist als es der Begriff erahnen lässt. Deshalb hier ein kurzes Vier Gänge Menü mit verschiedenen Gerichten aus der Sparte „Diversität“.

Vorspeise – Diversität des Erscheinungsdatums oder „Dazu würde auch wunderbar ein Stephen King aus den späten 70ern passen!“

Am 1. Januar postete Nomnivor auf Twitter diesen wunderbaren Tweet:

Empfohlen wird hierzu ein schmackhafter Tweet von HerrBooknerd:

Schneller, weiter, das Neuste, Beste, Tollste, der oder die Erste sein – unsere Gesellschaft hat sich schon seit langem in eine sehr schnelllebige Richtung verändert. Bücher über „Entschleunigung“ und „Bewusst leben“ boomen – und auf der anderen Seite hetzen wir jeder Neuerscheinung hinterher. Da sind wir wieder beim alten Thema: wer zuerst rezensiert, gewinnt. Und dabei gehen Backlist Titel völlig unter. Sollten sie aber nicht.

Es gibt c0xu4scxuaakalyeine Unzahl an Gründen, warum Backlist Titel interessant bleiben. Der Größte ist wohl, dass Bücher kein Mindesthaltbarkeitsdatum haben und nicht nach einem gewissen Zeitraum schlecht werden. Denn das tun sie nur dann, wenn sie von vorn herein overhyped waren. Bücher sind (meist) auch in dieser Hinsicht zeitlos und nur, weil es nicht das neuste vom neusten ist, sollte es nicht abschrecken. Entdeckt man beispielsweise ein neues Genre für sich – dazu im Dessert noch ein bisschen mehr – gibt es ja eine Fülle von Büchern, die noch vor dieser Erleuchtung veröffentlicht wurden. Hier liegen Schätze begraben, die es nicht nur wert sind beachtet zu werden, sondern die auch dabei helfen können den eigenen Lesegeschmack zu verfeinern (im Sinne von genauer kennenzulernen). Denn wenn der (Zeit-)Druck des neuen wegfällt, dann begeistert das Buch so, wie es begeistern sollte: als großartiges Werk und nicht als Hype Maschine!

Hauptgang – Diversität als Spiegel der menschlichen Realität oder „50 Shades of Individualität“

H.G. Wells hat in seinem berühmten Werk „The Time Machine“ mal gesagt, dass sich der menschliche Verstand in Zeiten des Friedens erst der Kreativität, dann der Sexualität und schließlich der Zerstörung widmet. Während man diese Aussage auf verschiedenste Arten interpretieren kann gibt es doch eine zentrale Message: Menschen waren ursprünglich mal nicht dazu vorgesehen so lange in Frieden und Sicherheit zusammenzuleben, wie es momentan der Fall ist. Da bleibt Zeit für all das, was es vorher „scheinbar“ nicht gab. Die Rede ist hier von der Diversität, wie wir sie in dem Buchdiskurs momentan am häufigsten sehen. Menschen entfalten sich in die verschiedensten Richtungen, teilweise gibt es für jede noch so kleine Minderheit einen speziellen Begriff und doch scheint die Buchszene bemerkenswert eintönig zu sein. Es gibt unzählige Threads zu diesem Thema und während hier und da die Meinungen ganz schön militant um die Ecke kommen, gibt es auch hier eine zentrale Message: uns mangelt es an Diversität in (manchen) Buchgenren. Und zwar nicht mal unbedingt um der Diversität Willen, sondern weil Fiktion auf eine Art und Weise auch immer Realität widerspiegeln sollte. Beispielsweise wenn es um Charaktere geht, da kann man auch getrost das Fantasy Genre in die Mangel nehmen. Es gibt so viele von uns, keiner ganz wie der andere und das sollte auch in Büchern repräsentiert werden. Auf welche Weise steht zur Debatte, aber Charaktere, mit denen man sich identifizieren kann, sind selten „schlechte“ Charaktere, denen man bspw. Eindimensionalität vorwerfen kann. Wir sollten also alle ein wenig zu dieser Diskussion beitragen und uns daran beteiligen, austauschen und herausfinden, wie wir Diversität selbstverständlicher einbinden können!

Dessert – Über den Tellerrand gucken

Mit den Büchern ist’s meist wie mit dem Essen: man hat so seine Lieblingsgerichte, neue auszuprobieren birgt die Gefahr, dass es nicht schmeckt. Oder, um es mit einem alten Sprichwort aus meinem hessischen Dorfleben zu sagen: „Was der Bauer net kennt, frisst er net.“ Dabei kann es solch eine Bereicherung sein, ab und zu mal in ein anderes Genre zu gucken. Muss ja nicht für immer sein und soll auch das Szenebloggen nicht abschaffen – doch auch hier lernt man den eigenen Lesegeschmack über das neue besser kennen. Nehmt euch Zeit zum Stöbern, lasst euch auf ein Buch ein und gebt seinem Inhalt eine Chance. Auch das kann entschleunigen und zusätzlich ein völlig neues Lesegefühl hervorrufen.

Ich zum Beispiel möchte in diesem Jahr unbedingt mal ein paar Bücher verschlingen, die etwas abseits vom Young Adult Protagonisten-Schema liegen und auch den ein oder anderen Krimi beschnuppern. Recommendations welcome!

Dem Koch die Meinung geigen – der letzte Gang führt in die Küche

Eben ist es schon einmal angeklungen: Menschen gibt es in allen Formen, Farben und Facetten (der Kampf um Alliterationen is real, y’all). Und so sind auch wir Blogger verschieden. In dem was wir lesen, in dem wie wir denken, in dem wie wir bloggen. Und besonders Letzteres sollte mehr Aufmerksamkeit erlangen, egal ob ihr super durchorganisiert oder – so wie ich – ein kleines Bloggerchaos seid. Scheut euch dabei nicht auch mal ein nicht so perfektes Bild von euch zu teilen. Zeigt einen Blick hinter die Kulissen – wie es einige Blogger bereits tun – stellt den Koch vor und macht euch dadurch menschlich. Denn auch das gehört dazu. Besonders was die Transparenz in Sachen „Sponsoring“ angeht. Macht diese kenntlich und sprecht darüber, eure Erfahrungen und Wege. Es geht hier schließlich nicht um heimliche Erfolgsgeheimnisse zu teilen, sondern um den Blogger menschlich zu halten. So wie wir manchmal Autoren de-glorifizieren sollten, sollten wir das mit Blogger-Idolen auch halten.

Frau Oberkellnerin* – die Rechnung bitte!

Für das Jahr 2017 gilt also nach wie vor das große Thema: Diversität. Jedoch sollten wir nicht vergessen Diversität auf lediglich einen Teilbereich zu beschränken, sondern für Abwechslung in vielen wichtigen Bereichen sorgen, sei es nun der Backlist Titel, den man entspannt genießen kann, oder ein Titel aus einem neuen Genre – seid mutig und probiert Dinge aus. Und noch viel wichtiger: schreibt ehrlich darüber. Denn genau so wie Diversität aller Arten in Büchern stattfinden sollte, sollte sie auch auf unseren Blogs stattfinden!

*der Diskurs zum Thema „Weibliche Form für ‚Ober'“ ist ungefähr so heftig diskutiert wie das Thema Diversität in Büchern…

*

Was sind eure Ziele für’s Bloggen 2017? Seid ihr der Diversitätsdebatte überdrüssig oder findet ihr sie nach wie vor wichtig?

Lasst es mich wissen,

eure Tabi ♥

P.S.: Lust auf Backlist Titel bekommen, die euch vom Hocker reißen? Dann schaut doch in meine Rubrik Unterschätzte Schätze rein – von und mit tollen Büchern & tollen Bloggern!

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Ein Gedanke zu “[Let’s Talk]: „Worüber wir 2017 bloggen sollten“ oder „Ein Vier Gänge Menü“

  1. Liebe Tabi,
    ich kann Dir nur zustimmen! Ich verstehe die Diskussion um Diversität grundsätzlich und halte das Thema auch für richtig und wichtig. Aber es ist nix, das von heute auf morgen einfach passiert und auch ein Autor muss sich bei den was er schreibt, wohlfühlen. Es ist genauso wie eine Frauenquote in der Wirtschaft einführen … natürlich sollen Frauen auch hohe Positionen ergreifen oder in von Männern dominierten Berufen arbeiten und wenn sich Frauen bewerben, werden sie auch alle angeschaut ABER am Ende des Tages muss die Qualifikation entscheiden … und ich verdrehe immer die Augen, wenn dann das Diversifikationssternchen vergeben wird, obwohl vielleicht tatsächlich jemand anders besser geeignet gewesen wäre. Fazit: Ja, es braucht Diversifikation UNBEDINGT !! aber nicht auf Teufel komm raus 😉
    Ich schaue beim lesen zugegebenermaßen schon ganz gerne darauf und greife auch eher mal zu, wenn es divers ist, da es mich interessiert – aber ich habe auch schon Passagen in Büchern gelesen, wo es ganz eindeutig „reingequetscht“ war und das merkt man als Leser dann auch …

    Liebe Grüße & auf ein erfolgreiches Blogjahr 2017
    Kati

    Gefällt 1 Person

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