[Tabi und Julias Wort zum Sonntag]: An Awakening of the Book Title

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wir schreiben den zweiten Sonntag im November und das bedeutet es wird Zeit für „Tabi und Julias Wort zum Sonntag“ – Volume 9!

Diesmal beschäftigen wir uns mit Fragen rund um das Thema „Ist Englisch immer besser?“ und mit dabei sind Themen wie Übersetzungen, Marketing, Buchcover und die Frage nach dem „Was ist eigentlich mit den Fantasy Buchtiteln los?“. Wenn ihr also Lust auf eine sonntägliche Diskussion habt und vielleicht selbst auch noch den Namen für euer nächstes Fantasy Buch finden wollt, dann – wie immer – nach dem Sprung!

Tabi: 2017 war, wie kein Jahr zuvor, das Jahr der Übersetzungen: von Illuminae über Cavaliersreise bis hin zu Das Lied der Krähen waren viele Bestseller aus Übersee in diesem Jahr auch endlich bei uns in den Regalen erhältlich. Und da stellte sich uns die Frage: was ist besser? Englisch oder Deutsch? Haben deutsche Übersetzungen aufgeholt? Und was hat es eigentlich mit diesen Fantasy Buchtiteln auf sich, die scheinbar alle gleich aufgebaut sein müssen?
Zu Beginn stellt sich also die Frage, was lesen wir „lieber“? Englisch oder Deutsch? Und warum?

Julia: Ich lese momentan lieber auf Deutsch, da ich beim Englisch lesen sehr langsam bin. Ohne das Bloggen wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, ein englischsprachiges Buch in die Hand zu nehmen. Allerdings gibt es so viele Blogger die auf Englisch lesen, dass ich es auch mal ausprobieren wollte. 2017 ist auch mein Jahr der englischen Bücher, denn seit Jahresbeginn habe ich zehn englische Bücher gelesen und es werden immer mehr!

Tabi: Bei mir sieht es da momentan umgekehrt aus! Ich liebe englische Bücher und die englische Sprache – so sehr, dass ich sie studiere – aber momentan habe ich eine Phase der deutschen Autoren, der deutschen Bücher, einfach um mal zu schauen, was wir mit unserer Muttersprache anstellen können!

Julia: Da stimme ich dir zu, außerdem sind zwei meiner Lieblingsautoren aus Deutschland! Zoran Drvenkar und Kerstin Gier faszinieren mich schon eine ganze Weile, und auch Fitzek ist bei mir auf dem Vormarsch.
Es gibt so viele ins Deutsche übersetzte Bücher, da vergisst man oft die im eigenen Land. Wenn man allerdings Englisch lernen will oder gerade an einem Englisch Diplom arbeitet, ist es sehr hilfreich englische Bücher zu lesen. Meine Sprachkenntnisse haben sich enorm gesteigert, wobei ich auch Serien auf Englisch schaue. Inzwischen ist es sogar so weit, dass ich auf Englisch denke und träume.
Aber Tabi, wie bist du eigentlich darauf gekommen Englisch zu studieren? Hast du vor oder nach dem Studium angefangen Englisch zu lesen?

Tabi: Bei mir hat es in der Schule angefangen, als ich auf die Fortsetzung von P.C. Casts House of Night Reihe nicht länger warten wollte. Ich war damals ein riesen Fan von Büchern mit Vampiren und anderen Kreaturen, aber der deutsche Markt kam mir nicht schnell genug hinterher. Die ersten Ausflüge waren allerdings relativ schwierig und ich hab irgendwann, genau wie du, mit Serien wie Doctor Who und Robin Hood nachgezogen. Da ist dann auch die Liebe zur englischen Kultur und Literatur entstanden. Vor allem aber durch diese schiere Unendlichkeit des englischen Buchmarktes.

Julia: House of Night habe ich damals auch gelesen, aber weil es so viele Bücher gab habe ich damit aufgehört. Ja, für mein damaliges-Ich gab es tatsächlich sowas wie „zu viele Bücher“.
Der englische Buchmarkt ist wirklich enorm gross und vielfältig. In der Buchhandlung zieht mich das englische Regal immer mehr an, weil es so farbenfroh ist, während mich bei den deutschen Young Adult Romanen immer dasselbe Mädchengesicht anspringt. Ich habe mich schon oft gefragt wieso das so ist. Sind die Rechte für die Cover zu teuer? Oder denken Verlage wirklich dass Mädchengesichter total „in“ sind und wir als Leser das mögen?

Tabi: Eine gute Frage! Generell wirken die englischen Cover sehr viel experimentierfreudiger und das beste Beispiel ist wohl „Beautiful Liars“ aus dem Ravensburger Verlag: im Englischen ein stilisiertes Hochhaus in dezenten Farbkombinationen, im deutschen ein Mädchen. leidend (?), in einem pinken Kleid. Viele hat das vom Kauf abgehalten. Kaufst du deine Bücher nach Cover?

Julia: Das ist ein super Beispiel! Ich habe sehr lang nicht begriffen, dass „Beautiful Liars“ und „The thousandth Floor“ ein und dasselbe Buch ist. Ich würde gerne sagen, dass Cover keinen Einfluss auf mich haben, aber ich kann es nicht. Das Cover ist der erste Eindruck eines Buches und wenn da schon ein Mädchengesicht ist, bin ich skeptisch. Ich weigere mich deshalb auch die Taschenbücher von der Grischa Trilogie zu kaufen. Die Hardcover sind wunderschön, aber die Taschenbücher? Sowas will ich nicht im Regal stehen haben. Wie sieht es bei dir aus, bei dir muss dein Bücherregal super farbig sein bei den vielen englischen Büchern die du liest!

Tabi: Ja, wir Bücherwürmer sind bei solchen Dingen sehr wählerisch und im deutschen Jugendbuchbereich würde sich wohl vor allem ein Regenbogen aus Gesichtern anbieten. Auch wenn das nicht immer schlecht sein muss, sieht man zum Beispiel an der deutschen Übersetzung der LUX Reihe von Jennifer L. Armentrout. Da sind die deutschen Cover um einiges schöner als die Englischen, sowohl alt als auch neu.
Auf jeden Fall! Alleine Rainbow Rowell macht das Bücherregal sehr, sehr bunt. Wobei auch hier im Deutschen mit sehr viel dezenteren Farben umgegangen wurde. Fangirl wurde von knalligem Mintgrün zu Beige und ähnlich erging es da Simon Snow. Aber zumindest sind viele Verlage dazu übergegangen ein paar Englische Titel beizubehalten und das ist eine gute Sache … oder?

Julia: Die LUX Cover finde ich tatsächlich sehr schön, besonders hübsch finde ich wie Oblivion aus Daemons Sicht etwas heller ist als die anderen Bücher. Da haben sich die Verlagsmenschen wirklich etwas schönes überlegt.
Das ich ein Fan von Rainbow Rowell bin muss ich wohl nicht erwähnen, Fangirl war mein erstes englische Buch dieses Jahr und hat mich in die englische Szene getrieben.
Auf der einen Seite finde ich es schön, wenn man die Cover etwas „umgestaltet“. Denn so wird der Buchmarkt noch vielfältiger und bunter. Aber gerade bei deutschen Verlagen ist man zu sehr auf diese Gesichter festgefahren. Da hätte ich es manchmal lieber, wenn man die englischen Cover übernehmen würde. Dabei können nur schon kleine Änderungen am englischen Cover super aussehen. Bei Red Rising hat man den brennenden Flügel auf dem Cover eher orange gemacht und einen Glanz hinzugefügt. Kleine Details, aber mit einer grossen Wirkung.
Aber kommen wir etwas weg von den Covern und beschäftigen uns etwas mit dem Inhalt des Buches. Während man früher Monate, wenn nicht jahrelang auf eine Übersetzung warten musste, ist man heute viel schneller. Ein Buch wird innerhalb von wenigen Monaten übersetzt, lektoriert, das Cover wird gestaltet, die Marketingtrommel wird angeheizt und zack! Das deutsche Buch ist da. Denkst du dass diese Entwicklung gut ist oder leidet die Qualität der Übersetzung darunter?

Tabi: Richtig, die deutsche Übersetzungsarbeit ist viel schneller geworden – zumindest was manche Bücher angeht. Und ich glaube, das hilft vor allem erst mal dem Verlag. Gerade bei so großen Büchern wie jetzt gerade ganz aktuell dem neuen John Green, der innerhalb eines Monats auf Deutsch oder dem neuen Ken Follett, der simultan erschien, treibt viele Leser, die überlegt haben die englische Fassung zu lesen, wegen kürzerer Wartezeit, zurück in die Arme der deutschen Verlage. Was die Übersetzungen angeht, so kann ich da nur anhand von Beispielen aus der Vergangenheit sprechen: Cassandra Clares „Clockwork Princess“ wurde so hektisch ins Deutsche übersetzt, dass sich allein auf dem Klappentext der Erstausgabe zwei (!) Rechtschreibfehler fanden. Natürlich kann man schon darüber streiten, dass die eigentliche Übersetzung des Buches gut war und nur beim Klappentext geschludert wurde, aber ich denke, man merkt es schnellen Projekten schon deutlich an, wenn das Lektorat zu sehr in Eile ist.

Julia: Ich bin gerade etwas geschockt über dein Beispiel mit „Clockwork Princess“. Um es einfach auszudrücken: Peinliche Sache. Solche Fehler sprechen sich natürlich schnell herum, gerade bei Bloggerkreisen. Ich habe „Six of Crows“ oder auf Deutsch „Das Lied der Krähen“ noch nicht gelesen, aber scheinbar gibt es dort auch die ein oder andere nicht geglückte Übersetzung. Aus „No mourners, no funerals“ wurde „Keine Klageweiber, keine Beerdigungen“, wenn ich die Zitate richtig im Kpf habe. Darüber waren viele Fans unglücklich und die englischsprachigen waren wieder im Vorteil. Generell könnte man ja annehmen, dass bei Übersetzungen der Schreibstil und die Witze verloren gehen. Ist das wirklich so oder nur ein hartnäckiges Gerücht? Was denkst du als Englisch Vielleserin dazu?

Tabi: Ich glaube, genau an solchen Dingen scheitern Übersetzungen generell: bei diesen absolut perfekten, Nagel-auf-den-Kopf-treffenden Zitaten. Einer der Gründe warum ich mich nach wie vor für das englische Original entscheide, wenn es von einem internationalen Autor geschrieben wurde. Nicht nur, dass die englische Sprache teilweise für Wortwitze und poetischen Drehungen und Wendungen einfach besser bestückt ist – es klingt auch einfach ein bisschen cooler. Diese Coolness geht bei den deutschen Übersetzungen in meinen Augen oft und schnell verloren, wobei man hier, meiner Meinung nach, nur bedingt den Übersetzern einen Vorwurf machen kann. Aber gerade Buchtitel fallen da auch öfter Übersetzungspannen zum Opfer, wie mein Lieblingsbeispiel „Shadowfever“ = „Im Reich des Vampirs“ ohne das es einen Vampir im Buch gibt. Magst du es lieber, wenn die Verlage – wie bei den Covern – nur kleine Veränderungen vornehmen? Oder gleich den englischen Titel beibehalten?

Julia: Gerade wegen solchen ikonischen Zitaten überlege ich mir auch öfters zum englischen Buch zu greifen. Bei Red Rising wurde „I am the reaper and death is my shadow“ zu „Ich bin der Schnitter und der Tod ist mein Begleiter“ übersetzt. Kann man machen, aber der Coolnessfaktor ging komplett verloren. Red Rising ist zwar trotzdem total genial, aber „Reaper“ klingt eben doch etwas cooler als „Schnitter“.
Bei den Titeln finde ich es in Ordnung wenn es nicht 1 zu 1 übernommen wird. Wenn der englische Titel übersetzt total lächerlich klingt, dann soll man es eben lassen. „Three Dark Crowns“ wortwörtlich übersetzt „Drei schwarze Kronen“ wären einfach lachhaft. Da finde ich „Der schwarze Thron“ schon passender. Natürlich kann man die Titel übernehmen, dann besteht immerhin die Gefahr nicht das Buch doppelt zu kaufen. Wenn er nicht übernommen wird, soll er aber bitte einen deutschen Titel erhalten. „The Thousandth Floor“ zum Beispiel in „Beautiful Liars“ zu übersetzen macht für mich gar keinen Sinn.

Tabi: Auf der anderen Seite bin ich auch kein Fan davon etwas wie „A Court of Thorns and Roses“ in etwas zu übersetzen, das einfach kaum noch Ähnlichkeiten mit dem Original hat, zumal auch hier wieder ein Cover dabei war, dass nicht nur nicht zum Original passte, sondern auch eine gewisse Diskrepanz im Sinn hatte. Eine Frau in einem auffälligen Ballkleid, halb nackt im Winter im Wald? Eh…
Aber um nochmal auf die Titel zurück zu kommen – auch wenn ich gern lamentiere, dass die Buchtitel im Englischen so viel schöner sind, so gibt es doch auch im Englischen einen Trend, dass die Titel immer länger und immer „epischer“ sein müssen. Ich wette, jeder kann spontan drei englische Fantasytitel nennen, die mehr als drei Worte im Titel!

Julia: Nur drei Fantasytitel? Mir fällt da eine ganze Liste ein! Das Prinzip ist schließlich immer dasselbe: Nomen, Verb, Nomen und schon hat man einen wundervoll einzigartigen Titel für seinen nächsten Fantasyroman. Was würdest du denn unseren Lesern vorschlagen, unter ihnen befinden sich bestimmt ein paar Fantasyautoren.

Tabi: Mein Vorschlag wäre: nur weil es Fantasy ist, muss es nicht immer die epischsten Wörter schon im Titel vereinen. Auch unaufgeregte Titel können episch sein, sei es Victoria Schwabs „Vicious“ oder ein langer, aber sehr klanghafter, sinnvoller Titel wie „Die Lügen des Locke Lamora“ von Scott Lynch. Und für alle anderen, die immer noch einen epischen, langen Titel haben wollen, haben wir da etwas vorbereitet. Als kleine Hilfestellung! 😉

Fantasy Booktitle Wort zum Sonntag

Wie heißt euer Fantasy Buch und was würde darin wohl passieren?

Lasst es uns wissen!

Eure Tabi und Julia ♥

*

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5 Gedanken zu “[Tabi und Julias Wort zum Sonntag]: An Awakening of the Book Title

  1. Ich finde meist auch die Originale besser, weil man vieles nicht gut übersetzen kann. Die Beispiele die ihr genannt habt, sind schrecklich 😀 Der ursprüngliche Grund, weshalb ich mit englischen Büchern angefangen habe, war auch dass ich immer wieder gehört habe, dass Witze und Wortspiele oft einfach nicht übersetzt werden können und im deutschen nicht rüberkommen (konkret in City of Bones). Das kann ich auf jeden Fall bestätigen. Denn wie ihr schon sagt: man kann Titel oder Zitate oft Wort für Wort übersetzen, aber auf deutsch klingt es dann leider dämlich.
    Kreative Adaptionen finde ich darum oft in Ordnung, aber es sollte doch wenigstens noch annähernd etwas mit dem Original zu tun haben. (*hust* Beautiful Liars *hust*)
    Mein Titel wäre übrigens „The Awakening of Rising Philosophers“ und vermutlich würden sie darüber philosophieren, wieso sie so lange geschlafen haben. Oder so.

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Jacquy,
      Ja, genau wie du es sagst: Wort für Wort ist meist einfach unnütz. Es kommen nur Sachen dabei herum, die man nie auf Merchandise kleben würde und das ist so, so schade :/
      Deinen Buchtitel finde ich großartig und ich wäre gespannt, wie so eine Diskussion aussehen würde 😀
      Alles Liebe,
      Tabi

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