[Review]: Die Letzten von Madeleine Prahs

Liebe Leserinnen, liebe Leser,IMG_20171116_153624

Anfang August trudelte in den Buchhanldungen ein Roman ein, der sich schon äußerlich von all den anderen spätsommerlichen Neuerscheinungen unterschied: „Die Letzten“ von Madeleine Prahs wirkte äußerlich wie Omas altes, von all den Jahren leicht lädiertes Sofa. Irgendwie urig, aber auch einladend. Und genau das spiegelte auch der Klappentext wider. Ein Buch, welches mich neugierig machte, wie schon lange keins mehr. Meine Erwartungen waren also hoch, als mich das Rezensionsexemplar von dtv erreichte, aber ich freute mich vor allem auf eine ganz eigene, ganz andere Geschichte.

Ob das Buch sein Versprechen halten konnte, das seht ihr – wie immer – nach dem Sprung.

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Titel: Die Letzten

Autor: Madeleine Prahs

Erschienen: 04. August 2017

Verlag: dtv

Seiten: 304

Sprache: Deutsch

Preis: 21,00€

Rezensionsexemplar – Vielen, vielen Dank an dtv!

 

Inhalt:

Ich als Haus würde Ihnen Widerstand empfehlen!

Es ist Herbst in einer Großstadt: Das letzte, unsanierte Haus in der Hebelstraße wird »leergewohnt. Karl Kramer, 55 Jahre alt, Hausmeister, Elisabeth Buttkies, 72, Deutschlehrerin a. D., und Jersey, 28 Jahre, Studentin in Teilzeit, sind noch übrig – und sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Welt vor der Tür meint es nicht immer gut mit ihnen, so glauben sie, aber drinnen pflegen sie ihre Wunden und streicheln die Narben. Bis der Brief des neuen Hauseigentümers kommt: Auszug. Kernsanierung. Endgültig. Der Kampf der Bewohner um ihr vermeintlich letztes Stückchen »Ich« beginnt. Man verbarrikadiert sich, Katzen werden vergiftet und Perücken abgefackelt – fast ist es zu spät, doch dann schließen sich „die Letzten“ zusammen. Am Ende blühen die Geranien wieder. Es ist Frühling. Drei sind glücklich. Und einer ist tot.

Quelle: dtv

Meine Meinung:

Nachdem ich mit Graham Norton’s „Ein irischer Dorfpolizist“ und David Foekinos „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ zwei Bücher gelesen hatte, die es mit kleinen Dörfern, die einer lebensveränderten Situation gegenüberstanden, folgte jetzt ein noch kleineres soziales Netz: die letzten drei Bewohner der Hebelstraße 13.

Jeder der drei – Jersey, Kramer und Frau Buttkies – bringt einen anderen Hintergrund und eine andere Lebensgeschichte mit. Sie alle sind sehr unterschiedlich und die Autorin nimmt sich genug Zeit, diese Unterschiede ausgiebig zu beschreiben. Schon lange hatte ich nicht mehr das Gefühl ein Set von Charakteren so genau zu kennen und dabei immer noch gut unterhalten zu werden. Grund dafür ist wohl vor allem eins: Madeleine Prahs unglaublicher Schreibstil! Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass Prahs für mich eine Lanze für deutsche Autoren bricht. Es liest sich witzig, klug und in manchen Kapiteln wie eine schönere Version von Hilary Mantel’s „Wolf Hall“ Stil. Prahs entfernt sich zudem vom traditionellen Stil, indem sie das Haus mit der Nummer 13 als eigenen Charakter einführt, der mit dem Leser direkt in Kontakt tritt. Und das auf eine kumpelhafte „Lassen Sie mich Ihnen mal eine Geschichte erzählen und dabei ein paar Klischees aufs Korn nehmen“-Art und Weise, die mich mehrmals zum Lachen gebracht hat.

„[D]ie Fensterscheibe. Dachgeschoss. Mitte. War schon immer eine kränkliche Fensterscheibe, eine mit Freiheitsdrang.“ (219)

Man kann nicht anders, als diesen drei Menschen, die um dieses Haus  – und um ihr eigenes Leben – kämpfen, zu folgen. Wissen zu wollen, was wohl mit ihnen passiert und vor allem zu sehen, wie sie sich notgedrungen zusammen raufen müssen. Und zu hoffen, dass der oder die Tote am Ende eben keiner der drei ist, auch wenn das Buch, neben all seinem Witz, nicht nur Geschichten mit Happy End erzählt.

Es ist fast wie Shakespeare’s „The Winter’s Tale“ – ein Hybride aus Comedy und Tragödie, man weiß nicht genau, wo man es platzieren soll; denn trotzdem Jersey, Karl Kramer und Elisabeth Buttkies vor allem auch die Einsamkeit und die vermeintliche Tragödie in ihrem Leben verbindet, so finden sie doch immer noch Möglichkeiten das Leben mit einer Prise Humor zu sehen. Und selbst wenn das nur aus dem einfachen Grund geschieht, dass es nicht mehr anders geht.

Madeleine Prahs vereint gekonnt einen Schreibstil, der neu, witzig und einnehmend ist, mit Figuren, die echte Leben leben – ja, auch das Haus! – und es dabei schafft, von vorn bis hinten spannend zu bleiben. Was dieses Buch so besonders für mich gemacht hat war außerdem, dass es die einzelnen Effekte, die tragische oder gravierende Ereignisse auf Menschen haben können, nicht nacheinander, wie auf einer Liste, abgewickelt, sondern alles in einen natürlichen, realistischen Ablauf gebracht hat.

Kurzum: „Die Letzten“ war noch besser, als ich erwartet habe! Eines – wenn nicht sogar das – Jahreshighlights meines Lesejahres 2017!

„Und wir machen hier jetzt weiter mit ein paar wunderbaren Takten Tanzmusik … Bon Voyage!“ (79)

*

Habt ihr eure Jahreshighlights schon gefunden? Und habt ihr „Die Letzten“ schon gelesen?

Lasst es mich wissen,

Eure Tabi♥

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Ein Gedanke zu “[Review]: Die Letzten von Madeleine Prahs

  1. Hey Tabi!
    Von dem Buch hast du mir bei meinem Besuch in Frankfurt erzählt, aber damals hattest du es noch nicht gelesen. Wie schön dass dich das Buch überzeugen und deine Erwartungen übertreffen konnte! 🙂
    Ich mag das Cover total, dieser alte-Oma-Sessel-Look ist altmodisch und klassisch und auch vertraut. In mein Bücherregal würde es bestimmr hervorragend passen, vom Inhalt her bin ich aber etwas skeptisch, ob es mich wirklich überzeugen könnte 🙂
    Liebste Grüsse
    Julia

    Gefällt 1 Person

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