Ein Bloggeburtstag & ein Abschied – vorerst

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

am vergangenen Samstag ist „Ein Buch kommt selten allein“ drei Jahre alt geworden. Und auch wenn es nicht mein erster Blog ist, so ist es doch mein liebster. Ähnlich wie in viele andere Buchblogs ist viel Arbeit hinein geflossen; er hat mich viele Nerven gekostet aber auch viel Spaß gemacht; manchmal bin ich an ihm verzweifelt und andere Male bin ich erst durchs bloggen zu einer Erkenntnis gekommen, die ich ohne das Schreiben vielleicht nie gefunden hätte.

Ich hab viel gelernt in diesen drei Jahren. Und das sollte eigentlich der Gegenstand dieses Beitrags sein. Doch dann hat WordPress sich spontan entschieden, den Beitrag halb ins Nichts zu schicken – Solas freuts! – und ich habe mich noch einmal hingesetzt und anders angefangen. Dabei ist, selbst überraschend für mich, etwas ganz anderes heraus gekommen…

Von Erkenntnissen und Abschieden

Eine Buchgemeinde, die sich liebt und streitet

Manche sagten vor der diesjährigen Buchmesse, dass sie eigentlich keine Lust hätten, denn am Ende seien Blogger vorn herum zu jedem freundlich, hinten herum aber dann ganz anders. Und das stimmt, zumindest manchmal. Schließlich sehen wir uns alle (zum ersten Mal) live und man lernt so viele Menschen kennen, die plötzlich ein Gesicht haben. Dass man da nicht unbedingt offen Meinungsverschiedenheiten austragen muss, ist klar. Sonst wäre das Klima auf der Messe aber auch nicht nur eng, sondern geradezu bedrückend. Außerdem fehlt eben die scheinbare Anonymität des Internets, das Profilbild, hinter dem man sich verstecken könnte. Das ist eine der, schon lange bekannten, Nebenwirkungen von u.a. den sozialen Netzwerken.

Dabei ist es aber vollkommen in Ordnung in dem ganzen Gefangirle und Gekuschel nicht mitmachen zu wollen. Wenn man mit jemandem nicht auf einer Wellenlänge ist oder mit jemandem aneckt – vollkommen in Ordnung. Nur weil wir Buchblogger sind, werden wir schließlich nicht zur homogenen Einheitsmasse (dazu später noch einmal mehr). Und manchmal kann es fast ein bisschen spannender sein mit jemandem zu diskutieren, als sich gegenseitig zu sagen, wie toll man sich findet, obwohl das gar nicht der Fall ist. Aber hier gilt auch – jedem das Seine.

Die Moral, die ich aus drei Jahren „Ein Buch Kommt Selten Allein“ mitnehme ist jedoch, dass es selten Friede, Freude, Eierkuchen in der Bloggercommunity ist. Und da spreche ich leider nicht von Diskussionen oder Meinungsverschiedenheiten, sondern Neid, Missgunst und Gerede hinter dem Rücken der anderen vom Feinsten. Dabei kennen wir diese Gefühle alle nur zu gut, sei es als Empfänger oder als Sender. Angefangen bei Buchpost: der eine bekommt weniger, der nächste mehr und der übernächste gar nichts. Dass man da manchmal vor Instagram Stories sitzt und neidisch ist – vollkommen normal. Ich brauchte meine Zeit um mir Leute anschauen zu können, die fast täglich Buchpost bekommen und tolle Pakete auspacken, ohne dabei Grün vor Neid zu werden. Und das ist auch okay, schließlich ist auf der anderen Seite auch jemand ziemlich stolz darauf, diese Post zu bekommen. Irgendwann muss man jedoch hier, als auch in allen anderen Belangen versuchen – mit einer starken Betonung auf versuchen – diese Vergleiche abzuwürgen. Denn am Ende sollten wir uns mit anderen Blogs nicht zu sehr vergleichen. Was mich zu Punkt zwei bringt: die sagenumwobene Individualität

Individualität und der Mut zur Meinung

Buchblogs gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Einen Blog ins Leben zu rufen wird immer einfacher, die Plattform WordPress zum Beispiel stellt so einfache Features zur Verfügung, dass ich das Gefühl habe, kein Informatik oder Webdesign studieren zu müssen um individuell zu sein. Aha, individuell. Da ist es wieder, dieses Wort, mit dem wir so gerne um uns schmeißen. Aber was heißt das eigentlich?

Nun ja, einfach gesagt: mach dein Ding! All diese Sprüche auf Klebezetteln, Frühstücksbrettchen und Thermobechern haben recht: mach was du machen willst; sei du selbst, alle anderen sind schon belegt; und so weiter und so weiter. Denn selbst wenn wir zu einer großen Veröffentlichung alle zur selben Zeit das gleiche Buch rezensieren, so haben wir doch immer noch unterschiedliche Meinungen und unterschiedliche Stile. Oder zumindest sollte das so sein.

Gerade in den letzten Wochen habe ich auf Twitter und Blogs wieder die Aussage gesehen, dass man Bücher, die man schlecht fand entweder gar nicht rezensiert, das Risiko direkt ganz umgeht oder es abgeschwächt formuliert. Und all das aus dem Grund heraus, Verlage und, besonders neuerdings, Autoren zu vergraulen. Und das ist, mit Verlaub, Bullshit. Denn zwischen „Fehlern“ und „Meinungen“ gibt es einen wichtigen Unterschied: eine Meinung ist nie ein Fehler, es ist eine persönliche Einstellung, die vollkommen validiert ist, solange sie sich in einem gewissen Rahmen bewegt. Und diese Meinungen sind verdammt wichtig, denn sie helfen nicht nur Autoren mit der kritischen Auseinandersetzung ihres Werkes, sondern sie machen den Blogger – für mich persönlich – ansprechender. Ich möchte eure Meinungen hören, ich möchte wissen, was euch an einem Buch stört! Ich möchte sehen, was eurem kritischen Blick, eurer einzigartigen Perspektive auffällt! Das wünsche ich mir, auch von Rezensionsexemplaren, für die Zukunft der Buchblogger Welt: Mut zur Meinung – und das schließt die Positiven keineswegs aus!

Der Segen und Fluch der Rezensionsexemplare

Am Anfang von „Ein Buch kommt selten allein“ war ich der festen Überzeugung, dass Rezensionsexemplare nur für eine bestimmte Sparte Blogger zugänglich war: denen, die ein gewisses Maß an Organisation und Regelmäßigkeit, sowie eine große Leserschaft mitbringen. Doch dann entdeckte ich irgendwann das Bloggerportal und die den einfachen Einstieg, den auch andere Verlage neuen oder kleineren Bloggern bieten. Und plötzlich gab es spannende Neuerscheinungen, die mir die Verlage zur Verfügung stellten und die ich teilweise noch vor Erscheinungsdatum lesen und dann rezensieren konnte. Eine großartige Möglichkeit, die am Anfang auch wunderbar funktionierte.

Doch dann hatte ich, selbst bei einer wirklich kleinen Menge von drei Rezensionsexemplaren gleichzeitig, eine Art Leseblockade; ein paar hundert Seiten wirkten plötzlich kaum überwindbar, der Lesespaß ging flöten, weil ich immer das Gefühl hatte, ich müsse das Buch ganz genau lesen, ihm absolut in meiner Reflektion gerecht werden. Und ja, das ist Bullshit. Denn nur weil man ein Rezensionsexemplar liest, muss und sollte man seine Lesegewohnheiten nicht um 180 Grad drehen. Aber ich kam aus diesem „Lesen um zu rezensieren“ nicht mehr heraus und das spiegelte sich nicht nur in meiner Leseschnelligkeit wider, sondern auch im generellen Spaß am Lesen. Selbst Bücher, die ich nicht rezensieren musste, konnte ich nicht mehr zur Hand nehmen, weil auf dem Regal entweder noch etwas anderes wartete oder mir die Lust am Lesen einfach vergangen war. Das erklärt u.a. auch meine unfassbar enttäuschende Lesestatistik für das Jahr 2017.

Für mich sind Rezensionsexemplare in letzter Zeit also vor allem ein Fluch. Man will ja doch auch irgendwie mithalten, möchte den kleinen und großen Verlegern gegenüber dankbar sein, dass sie einem die Möglichkeit geben ein Buch zu rezensieren. Aber den Druck, den ich dadurch selbst auf mich ausübe, ist es auf Dauer nicht wert und den Autoren und Autorinnen gegenüber zudem nicht sehr fair. Denn kein genereller Spaß am Lesen spiegelt sich auch in den Rezensionen wider, egal ob es ein Buch ist, was mir gefällt oder nicht.

Aufhören, wenn’s am schönsten nötigsten ist

Ich liebe das Bloggen. Ich liebe Bücher. Und ich glaube, ich bin so kurz davor diese Liebe durch Zwang überzustrapazieren, dass es an der Zeit ist, aufzuhören. Oder zumindest eine Pause einzulegen. Wieder neu zu fokussieren, wo man hin will. Man selbst, nicht die Followerzahlen und nicht das, was am meisten geliked wird. Was will ich mit meinen Blogbeiträgen erreichen? Und wie schreibe ich etwas, was vor allem mir selbst gefällt?

Ich durfte so viele tolle Blogger und Bloggerinnen kennenlernen, die großartige Ideen mitbringen, wundervoll schreiben und diese Community bereichern. In den nächsten Monaten will ich mich davon inspirieren lassen. Von Aurelia von „Geekgeflüster“ oder von Tasmin und ihrem Podcast. Oder von Julia von „Julias Wunderland“ mit all ihren großartigen Ideen. Oder von Celine, die mit „The Printrovert“ nicht nur einen tollen Blog führt, sondern auch wunderschöne Kunst in diese Community bringt. Kurzum: von all dieser Kreativität und all dieser Diversität. Jeder hat seine Sparte, jeder seinen Bereich oder auch drei. Irgendwo dort draußen findet sich auch hoffentlich für mich wieder ein Plätzchen. Bis dahin arbeite ich weiterhin mit Julia an unserem geliebten „Tabi und Julias Wort zum Sonntag“. Und dann … dann sehen wir einfach mal weiter.

Happy Birthday „Ein Buch kommt selten allein“ & (vielleicht) bis nächstes Jahr. ♥

*

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich bedanke mich von Herzen für all die Kommentare, all die Klicks und Likes. Es war mir ein Fest und ihr wisst vielleicht gar nicht, wie sehr ich an manchen Tagen wegen euch auf und ab gesprungen bin vor Freude. Kleine Dinge können so viel bewirken, deshalb vergesst auch ihr niemals, dass ihr jede Menge bewegen könnt!

Ich wünsche euch allen einen wunderschöne Adventszeit, ein entspanntes restliches Jahr und ein 2018, dass euch so richtig aus den Socken haut!

Alles Liebe,

Eure Tabi ♥

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3 Gedanken zu “Ein Bloggeburtstag & ein Abschied – vorerst

  1. Oh! Darauf war ich gar nicht vorbereitet! Der Artikel macht mich nachdenklich, du sprichst viele wahre Dinge an: Es ist in der Tat nicht so einfach, sein Ding zu machen und nicht auf die anderen zu blicken, aber ich versuche es! Dass man nicht jeden mögen kann, ist vollkommen verständlich und ist vor allem sehr unwahrscheinlich. Das sollte aber Respekt und Höflichkeit nicht ausschließen!
    Viel mehr kann ich dir nicht hinzufügen!
    Liebe Grüße,
    Katharina
    ps. Ich hoffe, du kannst ein bisschen zu dir zurück finden (oder neu zu dir hin) und findest eine (neue) Aufgabe für dich! Was für einen Blog hattest du denn vorher?

    Gefällt 2 Personen

  2. Hallo Tabi!
    Auch wenn ich selbst erst seit einem Jahr dabei bin, kann ich doch vieles nachvollziehen! Es ist schade, daa du dich inzwischen durch das Bloggen unwohl fühlst – kann man das so sagen? – aber ich bin auch froh, dass du das für dich erkannt hast. Hoffentlich ist es nur für eine kurze Zeit und du bist bald wieder zurück!
    Liebe Grüße,
    Pia!

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  3. Taaabiiiiii ❤❤❤
    Ich bewundere deinen Mut zur Pause und finde es super stark, dass du auf dich und dein Bauchgefühl hörst und es vorerst sein lässt. Werde ich dich deine Beiträge vermissen? NATÜRLICH! Du und dein Blog wart immer eine Vorbildfunktion für mich und ich wollte mich so gekonnt ausdrücken können wie du. Ich schätze deine Meinung sehr und hoffe du kommst irgendwann mit neugewonnener Kreativität und Energie zurück und haust uns wieder aus den Socken.
    In diesem Sinne Happy Birthday Ein Buch kommt selten alleine ❤

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